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8 Tipps zum Deutschunterrichten

Ich finde es grossartig, wie die Mentorinnen und Mentoren ihre Kraft, Zeit und Ressourcen einsetzen, um Personen, die flüchten mussten, die Hoffnung und den Erfolg ein Stück näher zu bringen.

Schon allein der regelmässige Kontakt mit einer Person ist viel wert. Diese Aussage hören wir regelmässig von unseren Mentees. Unabhängig davon, welches Thema bearbeitet wird. In diesem Blogartikel geht es spezifisch um Tipps für die Tandems, die zusammen Deutsch üben möchten.

Seit 3 Jahren bin ich Deutschlehrerin in Integrationskursen. Dahin geführt hat mich mein Bachelorstudium «Sprachliche Integration DaZ/DaF» am Departement Angewandte Linguistik an der ZHAW Winterthur. Daher nun für euch 8 Tipps zum Deutschunterrichten!


1. Farben

Etwas farblich zu markieren, hilft beim Merken!

Die Farben, die meistens im Deutschunterricht benutzt werden, sind:

Nomen mit

(der) maskulin → blau

(das) neutral → grün

(die) feminin → rot

(die) Plural → gelb

Beispiel (A2.2 ):

Adjektivdeklination unbestimmter Nomen (unbestimmt=ein,eine).

Tipp: Der Endbuchstabe des Artikels spiegelt sich im Endbuchstaben des Adjektivs!

Der Baum  → ein  grosser Baum

Das Auto → ein  grosses Auto

Die Pfanne → eine grosse Pfanne

Die Laternen → grosse Laternen

___ist rund und gesund.

→ der Apfel

Ich ___mit meinem Kugelschreiber.

→ schreibe


2. Neue Wörter nach Thema

Neue Wörter lassen sich einfacher merken und notieren, wenn sie nach Thema geordnet vermittelt werden. Es ist wichtig, die neuen Nomen jeweils mit dem dazugehörigen Artikel zusammen zu lernen.

Essen:

Ein super einfaches Thema, um das Gelernte gleich mit Geschmack und Haptik zu verknüpfen. Wenn ihr zusammen esst, könnt ihr gleich alles auf dem Tisch benennen.

„Das ist eine Kartoffel.“

„Das sind Teller.“

„…“

⇒ Grundsätzlich lernt man im Deutschunterricht zuerst „ein, eine, – „und erst danach „der, die, das“

 

Tiere:

Da bietet es sich ja geradezu an, euer Gratisticket für einen Zoobesuch einzulösen!

Dieser spassige Besuch kann genutzt werden, um den Wortschatz der Tiere mit einfachen sogenannten Chunks zu verbinden, um die Grammatik zu festigen.

Es empfiehlt sich, dass die lernende Person ein kleines Notizbuch dabei hat, um das neu Gelernte sogleich aufzuschreiben. Dies kann fortlaufend geschehen, oder aber, ihr nutzt eine gemütliche Kaffeepause zwischendurch und rekapituliert zusammen das Gesehene und Gelernte.

 

⇒ Chunks sind Wörter, die man oft zusammen benutzt, um Sätze zu bilden. Wenn Lernende diese auswendig lernen, sind sie befähigt, in Situationen schneller und automatischer zu sprechen.

In Verbindung mit Nominativ, welcher zuerst gelernt wird (A1.1):

Was ist das?

Das ist ein Löwe. Und was ist das?

 

In Verbindung mit Akkusativ (A1.1):

Was siehst du? Ich sehe einen Löwen. Er hat 7 Jungen. Und was siehst du?

 

In Verbindung mit Dativ (Niveau A1.2/ A2):

Wo sitzt der Löwe? Der Löwe sitzt auf dem Stein und frisst. Und wo schlafen seine Jungen?

 

In Verbindung mit Genitiv (Niveau B1)

Wessen Fell ist das? Das ist das Fell des Löwen.

Warum hat das Mädchen Angst? Wegen des Löwen.

Öffentlicher Verkehr/ SBB Schalter:

Auch das ist ein Wortschatz, welcher einfach und praktisch im Alltag umzusetzen ist. Einige von euch treffen sich bereits am Bahnhof oder ihr könnt gemeinsam dorthin gehen und vor Ort zusammen üben.

 

Im Voraus könnt ihr zusammen die SBB-App runterladen und beispielsweise ähnliche Aufgaben stellen:

„Such dir folgende Züge heraus:

Alex möchte am Wochenende nach Bern. Er möchte am Samstag schon vor 8 Uhr losfahren und am Sonntag möchte er vor 18:00 Uhr wieder zuhause sein. Welchen Zug soll er nehmen? Muss er umsteigen? Wie viel kostet das? Er hat ein Halbtax.“

 

 Falls das Personal am SBB – Schalter Zeit hat, könnt ihr auch Fragen, ob ihr zusammen üben könnt. Dafür könnt ihr euch im Voraus vorbereiten und Fragen aufschreiben wie beispielsweise:

„Ich möchte nach St. Gallen fahren. Wann fährt der nächste Zug?“

oder

 „Ich möchte ein Halbtax kaufen. Wie viel kostet es?“…

 Postschalter:

Geht persönlich vorbei und fragt, ob ihr üben könnt, ein Paket aufzugeben. Auch hier empfiehlt es sich, im Voraus einige Sätze zu üben.

 Feste und weitere Themen:

Siehe Tipp 3


3. Mit Bildern arbeiten

Auch bei diesem Tipp geht es spezifisch darum, den Wortschatz zu erweitern, um mehr miteinander sprechen zu können. Wenn ihr das Thema nicht mit praktischen Situationen verbinden könnt, sind Bilder ein guter Sprechanlass.

Hier ein Beispiel zum Thema Fest:

Das Gehirn eines Erwachsenen muss Gelerntes an etwas Bekanntem, wie in diesem Beispiel ein Bild, anknüpfen können und kann nur begrenzt unzusammenhängende Wörter lernen. Es lassen sich viele Wörter visuell darstellen.

Ihr könnt auch Wörter, die ihr zusammen lernen möchtet, auf einen Zettel schreiben und pantomimisch darstellen gegenseitig.

Das macht Spass und verknüpft weitere Synapsen des Gehirns miteinander.

 


4. Repetition

Was ihr letztes Mal gelernt habt, könnt ihr in den ersten 5 Minuten eures Treffens nochmals abfragen.

Lernstoff muss ungefähr sechs Mal wiederholt werden, um im Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. Deswegen lohnt es sich, zwischendurch auch eine Wiederholung einzulegen von Treffen, die schon länger zurückliegen.


5. Sinnvolle Progression beim Sprachenlernen

Es ist üblicherweise so, dass die rezeptiven Fertigkeiten vor den produktiven angewendet werden. Die rezeptiven Fertigkeiten sind Hören und Lesen. Sie sind passiv. Die produktiven und sogleich aktiven Fertigkeiten sind sprechen und schreiben. Das Sprechen kommt meistens ganz zum Schluss, da die lernende Person mit den vorherigen Aktivitäten genug Sicherheit im betreffenden Thema aufgebaut hat, damit sie selbstständig handeln kann.

Übersicht rezeptive und produktive Fertigkeiten:

Abbildung 1: Vier Fertigkeiten im Überblick (Quelle am Ende des Blogartikels aufgeführt)

Im Folgenden wird eine sinnvolle Progression am Beispiel des Themas

„Auf der Post“ (A2.2)  aufgezeigt:

  • Vorwissen zum Thema abholen:

Wortigel zum Thema Post.

Was fällt der lernenden Person für Wörter zum Thema Post ein?

 

  • Einen Text mit Verständnisfragen dazu lesen:

Es gibt im Internet fast zu allem ein Leseverstehen.

 

  • Einen Dialog zwischen Kunde und Postbeamtin hören.
  • Selber einen Dialog schreiben. Lasst die lernende Person vor allem ihre Fantasie spielen, aber ihr könnt selbstverständlich helfen beim Formulieren.
  • Sprechen:

Sprecht nun den Dialog zu zweit und probiert ihn auswendig zu lernen.

 

  • Praktische Anwendung:

Wenn ihr beide Lust, Zeit und die Möglichkeit habt, wäre es toll, wenn ihr dann wirklich auf die Post geht und etwas aufgeben oder beispielsweise Briefmarken kaufen könnt.


6. Lerntechniken

  • Kärtchen schreiben lassen
  • Wörter in Sätze einbinden, diese abfragen oder den Satz sagen/schreiben und eine Lücke beim zu lernenden Wort lassen. Ihr könnt auch ein gegenseitiges Ratespiel daraus machen.

Beispiel

___ist rund und gesund.

→ der Apfel

Ich ___mit meinem Kugelschreiber.

→ schreibe

– Gelernte Wörter aufschreiben, und zwar immer an den gleichen Ort! Zum Beispiel könnt ihr ein Heftchen zum Vokalheft erklären und jeweils mit einem Strich in der Mitte nach Thema geordnet Muttersprache, Singular und Plural aufschreiben.

 

Beispiel für einen Eintrag im Vokalheft:


7. Sprechen

Beim Sprechen kommt vielleicht die Frage auf, ob man nach jedem Wort unterbrechen soll oder nach einem Satz oder gar nicht?

Grundsätzlich gebe ich den Tipp, nicht zu oft zu unterbrechen. Wenn ein Wort immer wieder falsch ausgesprochen wird, sollte man es korrigieren. Aber hier gilt zu beachten, was die lernende Person möchte. Fragt sie, ob sie wünscht, stark korrigiert zu werden oder nur wenig. Um möglichst wenig zu unterbrechen, könnt ihr auch ausprobieren, euch Notizen zu machen und nachdem die Person fertig gesprochen hat, könnt ihr die zu verbessernden Aussagen wiederholen und zuerst schauen, ob die lernende Person selbst auf die richtige Lösung kommt. Diese Sätze kann die lernende Person gleich richtig aufschreiben, falls sie das möchte.

 

Wir hören nach dem Probemonat oft die Aussagen: „Ich weiss nicht, ob unsere Treffen ihm etwas bringen…/ Hoffentlich langweile ich sie nicht…/ Ich bin unsicher, ob er etwas lernen konnte bei mir./ Ich rede viel mehr als sie….“

 

Aber eigentlich könnt ihr hier nichts Falsches machen, denn für Sprachlernende ist es unglaublich wertvoll, wenn sie ihre Sprachkenntnisse ausserhalb des geschützten Rahmens des Deutschunterrichts anwenden können. Und wenn sie sich noch nicht so viel zu sprechen trauen, dann können sie zuhören und erweitern somit ihren passiven Wortschatz und das Verstehen von verschiedenen Akzenten und Sprachmelodien. Sie haben ein anderes Beispiel, eine andere Stimme und andere Sprechweisen als im Unterricht. Dies ist wichtig, um in verschiedenen Situationen unterschiedliche Personen verstehen zu können. Wenn man sich zu stark an die Sprechweise der Lehrperson und der Audios gewöhnt hat, hat man Mühe, andere Personen zu verstehen.

 


8. Allgemeines

Es gibt im Internet zu fast jedem Thema etwas. Einfach im Webbrowser möglichst genau angeben, was gesucht wird und unbedingt das Niveau eingeben.

  • Der GER (der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen) gliedert sich in sechs Stufen von A1 (Anfänger) bis C2 (Experten). Dabei sind die Stufen weiter so unterteilt: A1-A2 (Elementare Sprachanwendung), B1-B2 (Selbstständige Sprachanwendung), B2 ist dabei meist eine Zugangsvoraussetzung für das Studium, dann kommt C1-C2 (Kompetente Sprachverwendung). In Zürich kann man mit einem A2 oder B1 arbeiten, je nach Firma.

Abschliessend möchte ich gerne noch erwähnen, dass Sprachenlernen viel Geduld und Frustrationstoleranz erfordert, vonseiten der Freiwilligen sowie vonseiten der Deutschlernenden. Denn unser Gehirn braucht viel Repetition und vergisst sehr schnell und manchmal kann man es sich nicht aussuchen, was man vergisst und was man behält. Es kann sein, dass ihr ein erfolgreiches Tandemtreffen hattet, viel gesprochen, viel erklärt, viel gelernt habt und trotzdem nächste Woche wieder (fast) von vorne beginnen müsst. Für die freiwillige Person kann ich nur empfehlen, sich in die Situation der Mentee zu versetzen, und zu überlegen, wie schwierig es ist, eine Sprache zu lernen. Vor allem, wenn es dann noch in einer fremden Schrift erfolgt und man nicht von klein auf die Schule besuchen konnte.

Lächelt es weg und packt die Chance an, etwas nochmals, dafür aber vielleicht ein bisschen anderes als letztes Mal zu erklären. Mit dem Tandem bekommt man die Chance die Muttersprache oder die Sprache, welche man schon automatisch spricht, auseinander zu nehmen und sich nochmals genauer damit zu beschäftigen, was wirklich spannend sein kann!

 

fokusnetzwerk hat einige Webseiten und Links zu den Themen Wohnen, Jobsuche und Deutsch lernen gesammelt und auf der Webseite veröffentlicht.

Hier der Link dazu: https://fokusnetzwerk.ch/wiki

 

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